Donnerstag, 25. Mai 2017

Korea: Von Jeju nach Mokpo

Gleich zwei Eigenschaften der Koreaner bekommt man bei der Einreise zu spüren: Freundlichkeit und Technikverliebtheit. Nachdem der lächelnde Grenzbeamte meinen Reisepass durch das Lesegerät gezogen hat unterhält sich der Fingerabdruckscanner auf deutsch mit mir. Wir fangen in Jeju, einer Insel im Süden von Südkorea, an. 
Fahrkartenschalter am Busterminal

Man kann ganz gut mit dem öffentlichen Bus direkt in die Stadt Jeju fahren. Falls man ein Taxi nimmt so sollte man den Namen seiner Unterkunft auf koreanisch dabei haben, denn außerhalb von Seoul kommt man mit englisch ausgesprochen schlecht voran. Wenn man zumindest die Begrüßung auf koreanisch rausbringt, so weiß der Koreaner das zu schätzen. Die koreanische Schrift ist relativ logisch aufgebaut und lässt sich mit ein bisschen Übung ganz gut lesen. Das reicht zumindest um Wegweiser und Hotelnamen zu entziffern.
Empfehlung des Hauses

Obwohl Jeju nicht gerade eine hübsche Stadt ist bietet sie sich als Ausgangsort an, wenn man mit den öffentlichen Intercitybusen die Insel erkunden will. Am besten kauft man sich gleich eine T-Card und lädt diese auf. Damit kann man in Korea viele öffentliche Verkehrsmittel und zum Teil auch Taxen bezahlen. 
Des Fernbusnetz auf Jeju ist gut ausgebaut und die wichtigsten Haltestellen werden auch auf englisch angesagt. 
Jeju Busterminal

Mit der Linie 701 geht es nach Osten. Eine Stunde von Jeju entfernt findet man "Geomunoreum" das größte Lavaröhrensystem der Welt, allerdings ist nur ein kleiner Teil davon für Besucher freigegeben. 
Lava tubes

Weiter im Süden kann man das Jeju Folk Village besuchen. Ein Freilichtmuseum in dem viele traditionelle koreanische Behausungen gezeigt werden. Leider sind die meisten davon ohne Ausstattung. 
Jeju Folk Village

Zurück in Jeju wird erst mal traditionell gegessen. Die Bestellung ist aufgrund der Sprachbarriere nicht immer einfach aber im Zweifelsfall vertrauen wir darauf was wir von der Bedienung empfohlen bekommen. Am Sonntag kann es auch schon mal vorkommen, dass man etwas länger nach einem Restaurant suchen muss welches offen hat.

Auf Jeju bekommen Museumsbesitzer Steuervergünstigungen weswegen auf der Insel alle denkbaren und undenkbaren Mussen sprießen. Eines davon ist das Loveland. Ein Park in dem erotische bis pornographische Skulpturen ausgestellt werden. Der Park ist ab 18 Jahren und bis Mitternacht geöffnet. Am besten kommt man mit dem Taxi hin. Im Park selbst merkt man nichts mehr von asiatischer Keuschheit. Besonders das Kichern koreanischer Omis hört man durch die ganze Anlage.
Loveland

Loveland

Am nächsten Tag fahren wir mit dem Bus 740 zum Hallasan einem Vulkan und gleichzeitig dem höchsten Berg Südkoreas mit 1950 Meter.
Aufstieg zum Hallasan
Der Aufstieg ist asiatisch-typisch mit vielen Treppenstufen anschließend geht es weiter nach Jungmun ganz im Süden der Insel. Hier gibt es nochmal eine Reihe von Museen, zum Beispiel das Teddybärmuseum.

Teddybärmuseum

Leider ist die Zeit zu kurz um auch noch den Westen der Insel zu besuchen und wir müssen unsere Fähre nach Mokpo erwischen.
Schiffskarte

Die Fähre haben wir bereits von Deutschland aus reserviert. Auf der Webseite http://seaferry.seaferry.co.kr/credit/payment/1.asp kann man dies als Ausländer tun. Dabei muss man seine Reisepassnummer angeben aber weder kann man online zahlen noch bekommt man eine E-Mail als Bestätigung sondern sollte sich die Bestätigung auf der Webseite gleich ausdrucken. (Auf der Webseite kann man immer nur "Standard room" buchen.). Mit dem Ausdruck und dem Reisepass geht man dann zum Büro der Reederei und bezahlt vor Ort. Damit kommen wir auch schon zur nächsten Hürde: Am Schiffsterminal ist abends bereits tote Hose. (Das die Schiffe aufs Festland am internationalen Terminal 500 koreanische Meter (= 960 echte Meter) weiter abfahren erfahren wir erst später.) Die einzigen die uns über den Weg laufen sind zwei koreanische Arbeiter, die leider kein englisch verstehen, aber nach ausgiebigen Studium unseres Ausdrucks nehmen sie uns mit zu einer unscheinbaren Tür hinter der sich das Büro der Reederei befindet und wir können unsere unbezahlte Bestätigung gegen eine bezahlte Reservierung eintauschen. 
Färterminal

Das endgültige Ticket bekommen wir erst ein paar Stunden vor Abfahrt am internationalen Fährterminal. Es gibt vier
Boardingschlangen für Einheimische und eine für Ausländer. In der letzten stehen insgesamt genau drei Leute. Dadurch sind wir mit die ersten auf dem Schiff und können uns die besten Plätze im "Standard room" aussuchen. 
Standard room

Der einzige Einrichtungsgegenstand ist ein Fernseher ansonsten ist das Zimmer komplett leer und bietet Platz für 8 Leute. (Den zugeklebten Nummern nach zu urteilen wurden früher bis zu 16 Leute in dem Zimmer untergebracht). Die Überfahrt dauert 4,5 Stunden. Auf der Fähre gibt es Supermärkte, Restaurants und Karaoke Zimmer. 
Fähre nach Mokpo


Von Mokpo aus kann man Tagesausflüge mit dem Bus machen, zum Beispiel zum Dumyang Bambus Wald.
Bambuswald
Abends gibt es am Hafen die Dancing Sea Fountain zu sehen: Beleuchtete Wasserfontänen die sich zu Musik bewegen. 

Dancing Fountain

Für die weitere Reise durch Korea haben wir uns für einen Railpass entschieden.
Korail Pass


Den Korailpass muss man wieder vor der Reise reservieren und kann sie dann an einem beliebigen Bahnhof abholen und bezahlen. (Man kann den Korailpass auch prophylaktisch reservieren, solange man die Reservierung nicht einlöst muss man auch nichts bezahlen).


Local market



Sonntag, 14. Mai 2017

Stopover in Shanghai

Fliegt man in ein Drittland weiter, so kann man in Shanghai einen visafreien Stopover machen, der maximal 144 Stunden dauern darf. Vorausgesetzt man kann ein bestätigtes Weiterflufticket vorweisen. Die Regelung, die seit 2016 gilt, hat sich leider noch nicht überall rumgesprochen, so dass es zweckmäßig ist, einen Ausdruck des Reiseinformationssystems TIMATIC dabei zu haben, den man notfalls beim Check-in vorzeigen kann. In Shanghai selber ist die Einreise dagegen überhaupt kein Problem. Am Pudong Airport ist der ganz linke Schalter für die 144-Stunden-Einreise bereits gut erkennbar ausgeschildert. Und während sich bei den normalen Einreiseschaltern lange Schlangen bilden ist am Sonderschalter fast nichts los. Die Weiterflugpapiere werden eingescannt und geprüft (mogeln ist hier nicht möglich) und man bekommt den ersehnten Stempel in den Reisepass. 


Um vom Flughafen in die Stadt zu kommen kann man entweder die oftmals überfüllte U-Bahn nehmen oder ein Stück davon wesentlich schneller und bequemer mit dem Transrapid mit bis zu 450 KM/H fahren.

Apropos U-Bahn: die Chinesen stehen brav in einer Schlange an den Türenseiten bis der Zug einfährt. Die asiatische Zurückhaltung endet jedoch sofort wenn sich die Türen öffnen. Dann wird gedrängelt ohne Ende.
Die Stationen sind auch auf englisch angeschrieben. Ansonsten kommt man mit englisch ausgesprochen schlecht zurecht. Selbst junge Leute sprechen es kaum. Um so mehr sollte man alarmiert sein, wenn man plötzlich von einer jungen Chinesin in perfektem Englisch unter einem Vorwand "can you make a picture with me" angesprochen wird und am Ende des Gesprächs zum Tee eingeladen wird. Restaurants sucht man sich am besten danach aus wo man sein Essen auch anhand von Abbildungen bestellen kann.

Das Leben tobt Zweifelslos am Bund. Die Uferpromenade am Huangpu-Fluss ist Tag und Nacht belebt. Will man auf die andere Seite des Flusses kommen, hat man zwei Möglichkeiten: Man nimmt die U-bahn oder den Tunnel. Natürlich wäre ein einfacher Tunnel für Chinesische Verhältnisse viel zu banal. In kleinen Gondeln fährt man durch den von allerhand Lichteffekte ausgestalteten Bund Sightseeing Tunnel.

Auf der anderes Seite kann man mehrere Gebäude erklimmen. Ich entscheide mich diesmal für den Oriental Pearl Tower, schon alleine wegen seiner aussergewöhnlichen Architektur. Ich habe Glück, die Anstehzeit beträgt nur eine Stunde. Angeblich sollen bis über drei Stunden üblich sein. Auch hier muss man verdammt aufpassen, dass sich Einheimische nicht laufend vordrängeln. Der Pearl Tower besteht aus mehreren Etagen, auf der mittleren können mutige durch einen Glassboden direkt in die Tiefe schauen.


Ein Muss ist der Yu-Garden, der inmitten der touristischen Altstadt liegt. Ein sehr idyllischer abwechslungsreicher Park mit Steinskulpturen und Steindrachen. 

Die umgebende Altstadt ist voll von Läden. In schöner Regelmäßigkeit wird man angesprochen ob man eine "Marken"Uhr oder -Tasche kaufen will. Ursprüngliche dachte ich die Chinesin am Eingang wollte mich freundlicherweise vor Taschendieben waren "Watch you bag", aber nach einer Weile kommt mir der Verdacht, dass sie wohl eher "Watch or bag?" gesagt hat. Mittendrin gibt es einen Imbissstand mit einer besonderen Spezialität: Mit Suppe gefüllte Dumplings, die man erst mit einem Strohhalm aussaugen muss. Aufgrund der langen Schlange kann man ihn fast nicht verfehlen. 


Läuft man weiter gen Süden sieht man letzte Reste des ursprünglichen Shanghais. Kleine, gedrungene Gebäude, Wäsche auf den Leinen in der Straße, Frauen die mitten auf der Strasse Gemüse schälen, eine abenteuerliche Stromverkabelung...


Nachts sollte man noch einmal dem Bund mit der beleuchteten Skyline und der Fußgängerzone mit unzähligen Reklametafeln einen Besuch abstatten. Auch im Dunkeln wirken die Nebenstraßen für Touristen nicht wirklich gefährlich. Aber man muss sich damit abfinden, sofern man ohne weibliche Begleitung unterwegs ist, öfters mal Massagen oder Ladyboys angeboten zu bekommen.